Büroprofil

Architektur verstehen wir als das Fortschreiben unserer baukulturellen Geschichte. In diesem Prozess tragen wir die Verantwortung für die Ausformulierung der gebauten Umwelt, in der wir alle leben. Als ein ausführendes Architekturbüro im klassischen Sinne, welches von der städtebaulichen Studie und dem Architekturwettbewerb über alle planerischen Leistungen bis hin zur Realisierung sämtliches Wissen auf sich vereint, stellen wir dessen Vernetzung in den Dienst eines möglichst optimalen gebauten Objektes.

Wir sind Treuhänder unserer Auftraggeber, aber gleichzeitig auch der Öffentlichkeit – etwa in Form von öffentlichen Räumen oder dem sorgfältigen Umgang mit Ressourcen –, und ganz besonders den Benutzern unserer Bauwerke verpflichtet. Entwerfen heisst darum auch sich reiben und verhandeln; es ist ein mäandrierender und iterativer Prozess, und wir schätzen Auftraggeber, die sich mit uns auf diesen offenen Weg begeben. Deshalb unterstützen wir in vielfacher Funktion und Form den Architekturwettbewerb als Garanten unserer Baukultur und Stimulator unseres eigenen Reflektierens und Schaffens.

Was uns antreibt, sind der Wille und die Freude, qualitativ hochwertige Räume mit grossem gestalterischem Anspruch und einer eigenen Atmosphäre zu realisieren. Raum wird durch seine Geometrie und Oberflächen für alle Sinne wahrnehmbar gemacht und programmatisch und kontextuell aufgeladen. Erst die Entwicklung bis ins letzte Detail verleiht der Architektur ihre unverwechselbare Identität. Dabei vermeiden wir Kompromisse und suchen das Archetypische.

Vorbilder und Referenzbauten aus der Architekturhistorie helfen, unsere Vorstellungen zu klären. Jeder architektonische Entwurf ist innerhalb eines Ganzen zu verstehen. Er gibt Auskunft über die Beziehung zum nächstgrösseren und auch zum nächstkleineren Massstab. Das städtebauliche und architektonische Konzept entsteht aus der Interpretation des Ortes, der Geschichte und der vielseitigen Bedürfnisse. Dabei ist die Reduktion eine wichtige Methode, die uns zu diesem Konzept führt und das Wesentliche vom Beiläufigen trennt. Uns bewegen die Präzision und die Eindeutigkeit, wir suchen Klarheit und Einfachheit. So entstehen starke architektonische Strukturen sowie schlüssige und dauerhafte Konstruktionen.

Wir sind eine lernende Organisation – seit 1929.

1929–1960

Wilhelm Fischer, der Begründer des Architekturbüros, kam am 4. Februar 1900 im aargauischen Dottikon als Sohn eines Schreinermeisters zur Welt. Der väterliche Schreinerbetrieb prägte ihn nachhaltig und war die Basis für sein späteres solides handwerkliches Schaffen. Im Jahr 1921 trat der erfolgreiche junge Techniker seine Wanderjahre an. Sie führten ihn in das vom Ersten Weltkrieg noch stark gezeichnete Deutschland.

Erster Arbeitsort war das Büro von Professor Klotzbach in Wuppertal-Barmen, wo ihm die selbstständige Bauleitung zweier grosser Landhäuser in Berlin-Grunewald übertragen wurde. Von 1925 bis zur Gründung der eigenen Firma 1929 hiessen seine Arbeitsstationen Ziegler und Balmer in St. Gallen, Professor Rittmeyer & Furrer in Winterthur und Architekturbüro Tittel in Zürich.

In der aufstrebenden Wirtschaftsmetropole Zürich bot sich mit dem Neubau für das Fabrik- und Wohngebäude SIM AG (1929) am Letzigraben in Zürich Albisrieden die Chance zum Wechsel in die Selbstständigkeit. Erste grössere Wohnüberbauungen folgten, zum Beispiel die Wohnhäuser Speerstrasse (1932) und das heute noch sehr gut erhaltene und als gemässigt modern geltende ehemalige Restaurant Morgenstern, Zürich (1935).

Beeinflusst durch die Bauten von Max E. Haefeli, erbaute Wilhelm Fischer das Wohnhaus Lagler, Uitikon (1957), ein Wohnhaus mit offenem Grundriss und der typischen Formensprache der Fünfzigerjahre. Wilhelm Fischer blieb dem Büro bis 1979 treu.

1960–2001

Im Jahr 1960 trat Wilhelms Sohn Eugen O. Fischer in das Architekturbüro ein. Nach erfolgreichem Studium an der ETH Zürich und einer Tätigkeit als Assistent bei Professor Albert H. Steiner wandte sich der junge Architekt der Berufspraxis und Wettbewerben zu.

Erste Erfolge liessen nicht lange auf sich warten. So entwarf er das Schulhaus Liguster, Uitikon (1960), das leider nicht ausgeführt wurde. Seine Nähe zu damaligen architektonischen Vorbildern wie Walter M. Förderer, Roland Gross, Claude Paillard oder Ernst Gisel zeigte sich etwa beim ersten Preis im Wettbewerb um die Primarschule Vogtsrain, Zürich Höngg (1966–1973). Weitere siegreiche Arbeiten in Schulbauten folgten und veranschaulichen Eugen O. Fischers architektonischen Anspruch und seinen Versuch, sich mit den erwähnten Vorbildern zu messen. Beispielhaft dafür sind der erste Preis für die Kirche St. Katharina, Zürich Affoltern (1967–1972), welche die «Auszeichnung für gute Bauten der Stadt Zürich» erhielt, oder der erste Preis für das Schulhaus Büel B, Unterengstringen (1974).

Im Jahr 1967 trat mit Eugen Mannhart ein weiterer Partner in das Büro ein. Er widmete sich dem Aufbau des Projektmanagements und der Bauleitung, während sich Eugen O. Fischer verstärkt auf architektonische Fragestellungen konzentrierte. Gemeinsam führten die beiden Partner die Firma zu weiteren Erfolgen; so gewannen sie zum Beispiel den Wettbewerb Gartensiedlung Winzerhalde, Zürich (1978–1982), die ebenfalls eine «Auszeichnung für gute Bauten der Stadt Zürich» erhielt.

Die Bauwirtschaft boomte, und so konnten grössere Bauprojekte, die heute das Stadtbild von Zürich prägen, realisiert werden. Dazu gehören das Wohn- und Geschäftshaus Neumarkt, Zürich Oerlikon (1978–1981) und das Projekt Umbau und Sanierung Sihlpost, Zürich (1994–1997) zusammen als ARGE mit Werner Stücheli. Einen schmerzhaften Entscheid musste das Büro Fischer Architekten hinnehmen, nachdem es den Wettbewerb Ausbau ETH Hönggerberg, Zürich (1990) zuerst gewonnen hatte, der Auftrag nach einer Überarbeitung jedoch an Mario Campi ging.

Die letzten Jahre seiner Schaffensperiode widmete sich Eugen O. Fischer vermehrt der Zukunft des Büros und seiner Nachfolge. Er entwarf neue Projekte zusammen mit jungen begabten Architekten im Team. Erwähnenswert sind das Bürogebäude Ticino Vita, Dübendorf (1991–1992) oder der erste Preis für den Umbau Chemiegebäude ETH Zentrum, Zürich (1997–2001) sowie der erste Preis für die Wohnüberbauung Chrüzächer, Regensdorf (1998–2001), die Eugen O. Fischer leider nicht mehr als ausgeführte Werke erleben durfte.

Nach dem Tod von Eugen O. Fischer im Dezember 1999 trieb die Geschäftsleitung, bestehend aus Eugen Mannhart und Marcel Barth, die vom Patron selbst angeregte Neuausrichtung des Architekturbüros weiter voran.

2001–heute

Der erste Kontakt zwischen Eugen O. Fischer und Christian Leuner kam dadurch zustande, dass Fischer Architekten und die Leuner & Zampieri AG während mehrerer Jahre jeweils unter eigenem Namen an gleichen Wettbewerben teilnahmen. Ab 1998 bearbeitete Leuner für Fischer diverse Wettbewerbe als freier Mitarbeiter. Der bevorstehende Generationenwechsel, die spannenden Aufträge und die gute Vernetzung der Fischer Architekten AG boten Leuner als jungem Architekten die Möglichkeit, seinen Wunsch nach Wachstum zu realisieren. Das bewog ihn, mit dem von ihm gegründeten und zwischen 1995 und 1999 zusammen mit Danilo Zampieri geführten Büro Leuner & Zampieri AG als neuer Partner bei Fischer Architekten einzutreten.

Als die beiden Büros im Jahr 2001 fusionierten, übernahm Christian Leuner die Geschäftsführung als Mehrheitsaktionär. Die damaligen Kadermitglieder Beat Engeler, Ernst Breiter und Beat Eyer bildeten zusammen mit ihm die neue Geschäftsleitung. Leuner setzte sich zum Ziel, die Architekturwerkstatt nach einem einheitlicheren Architekturverständnis und einer einheitlicheren Architektursprache auszurichten. Die wichtigsten Arbeiten der Leuner & Zampieri AG wurden zu Leitbauten, an denen sich die im Umstrukturierungsprozess befindliche Fischer Architekten AG bei ihrer architektonischen Erneuerung orientierte.

Stellvertretend für die strukturierte Denkweise und die klare Formensprache stehen das Doppeleinfamilienhaus Thunstetten (1990–1992) und das Wohn- und Atelierhaus Suhr (1992–1994), das 1995 mit dem SIA-Preis «Priisnagel für gute Bauten» ausgezeichnet wurde. Weitere wichtige Bauwerke sind das Geschäftshaus Lightcube im Glattpark Opfikon (2001–2005) mit seinen räumlichen Durchdringungen und terrassierten Gärten im Innenraum, der Wettbewerbsbeitrag für das Krematorium Aarau (1997–2001) mit seinen beiden Glasmembranen sowie das Geschäftshaus Eggbühlstrasse in Zürich Oerlikon (2000–2003) mit seiner bedruckten und geätzten Glasfassade.

Die neuen Strukturen begannen zu greifen. Bereits im Jahr 2001 gewannen Fischer Architekten den zweiten Preis im international besetzten Wettbewerb für die AMAG-BVK in Zürich und anschliessend den ersten Preis für die Universitätsklinik Balgrist (2002–2004), die sie nur bis zum Vorprojekt weiterbearbeiten konnten. Einen zweiten Preis erreichten sie für ihren Entwurf im international ausgeschriebenen Wettbewerb für das Schweizerische Landesmuseum in Zürich (2000–2001). Als ein weiteres Beispiel für die neu definierte architektonische Haltung gilt das formal stark reduzierte und räumlich mit Split-Level ausgeführte Wohnhaus «Villa Stüber» in Zollikon (2002–2005). Eine eigene Handschrift wurde sichtbar.

Mit der Einführung des Qualitätsmanagementsystems nach ISO 9001 wurde 2001 die Basis für ein klar strukturiertes, inhabergeführtes grosses Architekturbüro mit konstant 50 bis 60 Mitarbeitenden gelegt. Die Führungs- und Beteiligungsstruktur lässt mehrere Generationen gut miteinander arbeiten und stellt sicher, dass die Architekturwerkstatt kontinuierlich und qualitativ hochstehend funktioniert.

Beat Engeler, Ernst Breiter und Beat Eyer waren in den Jahren 2003 bis 2014 geschätzte und erfolgreiche Mitglieder der Geschäftsleitung und gleichzeitig Partner der Firma. Sie halfen Christian Leuner mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung, den Umstrukturierungsprozess voranzutreiben. 2014 traten Timo Allemann (bis 2020) und Ivo Weinhardt (bis 2016) als neue Partner in die Geschäftsleitung ein. Auch sie unterstützten Christian Leuner dabei, das 2015 gemeinsam definierte Leitbild täglich umzusetzen und dessen Inhalte und Wertvorstellungen in den realisierten Bauwerken sichtbar werden zu lassen.

Seit 2017 ergänzt Carol Gartmann als Betriebswirtin für den Bereich Personal und Finanzen die Geschäftsleitung und das Aktionariat. 2020 folgten die beiden Architekten Simon Edelmann, der seit 2012 für Fischer Architekten tätig ist, und Mark van Kleef. Diese Vergrösserung der Geschäftsleitung erlaubt es Christian Leuner, sich vermehrt inhaltlichen Themen innerhalb der Projekte zu widmen.

In den letzten beiden Jahrzehnten haben sich Fischer Architekten zunehmend dem Wettbewerbswesen zugewandt. Eine stattliche Anzahl an ersten Preisen hat dazu geführt, dass das Büro seine Akquisitionen heute mehrheitlich aus Wettbewerben und Studienaufträgen tätigen kann. Die Architekturwerkstatt bleibt dadurch unabhängig und frei.