Passhöhe Unterer Hauenstein
Passhöhe Unterer Hauenstein

Passhöhe Hauenstein, Fischer Architekten AG Zürich
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Die Passhöhe Unterer Hauenstein zeugt von einer einzigartigen Ausgangssituation was ihre Lage, Geschichte und Eingliederung im Landschaftsraum angeht. Die Passhöhe liegt nahe an dem wichtigen Verkehrsknotenpunkt der Schweiz, im Umkreis von 40-60 km sind Zürich, Basel, Bern und Luzern entfernt sowie zahlreiche nationale und internationale Unternehmen. Die Bauparzelle befindet sich am Waldrand und ermöglicht direkte Ausblicke in die umliegende Natur. Die Architektur prägt durch ihre identitätsstiftende und kontrastierende Zylinderform die Nachbarschaft – die Passstrasse und die Landschaft.

Die eingezonte Bauparzelle ist unmittelbar bei der Passhöhe Unterer Hauenstein gelegen. Er ist ein Schweizer Jura-Pass (691 m.ü.M.) und ist Teil der Strecke Luzern – Basel. Im Nahbereich verbindet er Olten (SO) mit Liestal / Läufelfingen (BL). Der historisch wichtige Pass befindet sich unweit der beiden heutigen Verkehrsknoten Egerkingen für die Autobahn und Olten für die Eisenbahn. Diese beiden nahe zueinander liegenden Verkehrskreuze bestehen einerseits aus den Nord-Süd Achsen Basel – Chiasso und andererseits aus den Ost – West Achsen St. Gallen – Genf. Die Römer bauten die topographisch schwierige, aber direktere Weglinie über den Hauensteinpass aus. Im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein blieb der Hauenstein als Nord-Süd-Verbindung über den Jura ein wichtiger Handelsweg. Mit dem Aufkommen des motorisierten Verkehrs leistete der Hauenstein Pass eine wichtige Verbindung von Basel ins Mittelland. Die Passhöhe beherbergte schon früh ein Motel und eine Gaststätte, sowie eine Tankstelle. Nach der Eröffnung der A2 mit dem Belchentunnel 1970 ging die Verkehrsfrequenz über den Pass massiv zurück und verlor seine verkehrstechnische und strategische Bedeutung.

Die Doppelgemeinde Hauenstein-Ifenthal selbst besteht aus dem Ort Hauenstein auf einer Terrasse knapp unterhalb der Passhöhe des Unteren Hauensteins und dem westlich davon liegenden Weiler Ifenthal. In beiden Gemeinden wohnen ca. 350 Einwohner. Neben der historischen Bedeutung zeugt die Passhöhe Hauenstein von seiner landschaftlichen Einzigartigkeit. Diese modellierte Hügellandschaft bestehend aus verschiedenen Raumkammern, Mulden und Kämmen und andererseits kontrastierend und überraschend eingestreuten Bruchkanten aus kalkhaltigem Fels und Stein. Diese Rhythmisierung von sanft und scharfkantig, von lang und kurz, von tief und hoch, charakterisiert den Ort Unterer Hauenstein. Den Bewohner der beiden Gemeinden, den umliegenden Dörfern und der nahen Kleinstädte fehlt ein Ausflugrestaurant, ein Ausgangsort zum Wandern, Joggen, Golfen, Mountainbiken, Räume für grössere Anlässe und Begegnungen. Die logistisch vorteilhafte geographische Lage ist Teil des Raumprogrammes. Das neue Gebäude kann beispielsweise als «Thinktank», als Forum, ein Ort zum Lernen, zum Forschen, zum Austausch von Ideen oder Strategien genutzt werden. Ferner kann das Gebäude als zentraler Ort für (externe) Workshops, Events und Vorträge von verschiedene Interessensgruppen an diesem Standort dienen. Möglich ist das, dass Gebäude von mehreren Firmen oder einer Einzelfirma gemietet wird. Das Erdgeschoss ist ein öffentlicher Raum für die gesamte Gemeinde und ist ein Ort für die Gemeinschaft und Austausch – ein geeignetes Haus für ein Hotel, Restaurant und ein Spa in dieser ausserordentlichen Umgebung im Einklang mit der Natur. Ein Ort für Inspiration, an dem man neue Kraft für die Arbeit schöpfen kann.

Durch das gläserne Erdgeschoss schwebt der platonische Körper sanft über dem Terrain. Die Grenzen vom Innen- zum Aussenraum lösen sich zunehmend auf. Das Gebäude definiert einen Orientierungspunkt an diesen Ort. Die Identität des Passes wird durch die neue Nutzung wieder gestärkt, der Öffentlichkeit zugängig gemacht und das Ensemble Strasse, Gebäude, Landschaft erinnert an die wichtige historische Bedeutung. Diese genannten Themen ziehen sich beginnend bei der Positionierung des Gebäudes und seiner zwei kreisförmigen Grundrisse, wie ein roter Faden durch den mehrgeschossigen Rundbau. Die unterschiedlichen öffentlichen Nutzungen können von der Eingangshalle im Erdgeschoss aus durchlaufen werden. Die circa 88 Zimmer befinden sich hingegen auf vier Regelgeschosse, die über drei Treppenhäuser erschlossen sind. Der Ausblick von den Obergeschossen reicht bis zu den Alpen oder im Inneren in den bewachsenen Innenhof. Das Erdgeschoss ist ein Ort für die Öffentlichkeit, in der das Gebäude in eine enge Verbindung mit der umliegenden Landschaft tritt. Das Untergeschoss ist hingegen der Ort der Meditation. Die Obergeschosse dienen der informellen Begegnung sowie der Erholung. Das Erlebnis von Bewegung im Raum und die dadurch beabsichtigte soziale Interaktion ist ein charakteristisches Element des Bauwerkes. Durch Bauteile wie den Innenhof wird ein kontinuierlicher Kontakt mit der Natur eingegangen, wobei der Dialog zwischen Arbeitsräumen und der Landschaft im Fokus steht. Die Materialität des Gebäudes nimmt die Identität des Ortes wieder auf, indem sie in Holz, Sichtbeton und Muschelkalkstein gestaltet ist.

 

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Adresse
Hauptstrasse 53–55, 4633 Hauenstein-Ifenthal, Schweiz
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Aufgabe Machbarkeitsstudie mit Variantenstudie zur Auswertung des Potenzials eines Ersatzneubaus
Auftragsart Machbarkeitsstudie
Leistungen Vorstudie
Bearbeitungszeit 2018–2019