Berufsfachschule Winterthur

Berufsfachschule Winterthur, Fischer Architekten AG Zürich
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Der vorgeschlagene Neubau für die Berufsfachschule Winterthur erzeugt zusammen mit den bereits bestehenden Gebäuden ein neues, strassenübergreifendes Ensemble. Die Einbindung in den Stadtraum orientiert sich an historischen Vorplätzen von öffentlichen Bauten der Stadt. Die einfache Raumstruktur rund um das zentrale Atrium ermöglicht eine flexible Nutzung, eine hohe Funktionalität und eine gute natürliche Belichtung.

Die Berufsfachschule Winterthur ergänzt ihre bestehende Schulanlage an der Tösstalstrasse um einen Neubau. Damit soll einerseits das Raumangebot betrieblich optimiert werden, andererseits gilt es der steigenden Anzahl Lernender gerecht zu werden. Das Bauvorhaben umfasst rund 40 Klassenzimmer, eine Dreifachturnhalle sowie Aufenthalts- und Verwaltungsräume.

Der vorgeschlagene Neubau erzeugt gemeinsam mit den drei bestehenden Gebäuden ein strassenübergreifendes räumliches Ensemble, das organisatorisch, betrieblich und ökonomisch die Gesamtanlage der Berufsfachschule Winterthur stärkt. Der neu formulierte Campus-Freiraum reiht sich in die öffentlichen Parkanlagen und Plätze entlang des Promenadenrings ein. Eine Schlüsselfunktion nimmt der neu geschaffene, adressbildende Vorplatz ein: Er dient als Zentrum des Campus und schafft Sicht- und Orientierungsbezüge zu den bestehenden Gebäuden und ihren Eingängen.

Der Ausdruck des Neubaus reflektiert die Anforderungen einer technischen Berufsfachschule mit besonderem Augenmerk auf eine flexible Raumorganisation, hohe Funktionalität und gute natürliche Belichtung. Das statische Rückgrat der Raumstruktur bildet die Infrastrukturebene, welche die im Gebäudelayout mittig positionierte gesamte Haustechnik enthält. Darunter liegt als stützenfreies grosses Volumen die über die seitlich angeordneten grossen Lichthöfe erhellte Turnhalle. Diese Klarheit und die daraus folgende einfache Grundstruktur ermöglichen unterschiedliche betriebliche Szenarien und die Freiheit, die Raumorganisation jederzeit neuen Bedürfnissen anzupassen.

Die modular aufgebaute Gesamtstruktur äussert sich auch im Gestus des Gesamtvolumens, abgebildet durch ihre Hülle. Der aus der Musik entlehnte Begriff «crescendo» wird referenzierend in die Gestaltung der Fassade übersetzt. Die sich nach oben verjüngenden und nach unten verbreiternden Fassadenstützen sind eine logische Folge des Lastenverlaufs der Kräfte. Als Material wird eine Betonverkleidung vorgeschlagen, die einerseits eine materielle Beziehung zum Nachbargebäude der Wirtschaftsschule eingeht und andererseits über ihre gestockte Oberflächenbearbeitung einen Dialog zur verputzten Fassade des inventarisierten Objekts Tösstalstrasse 24 aufbaut.

Der kompositorische Ansatz der Fassadengestaltung findet seinen Höhepunkt in der Gestaltung des Innenraumes im Atrium. Eintretende erfahren den zentral liegenden Ausstellungs- und Aufenthaltsraum mit dem zenitalen Licht als Orientierung für das ganze Gebäude. Der sich nach oben vergrössernde Lichtquerschnitt, ermöglicht durch eine Staffelung der Begegnungszonen, gibt diesem Raum seine eigene und auf einfache Weise geschaffene Identität – je nach Bewegungs- und Betrachtungsrichtung ein «decrescendo».

Rund um diese Mittelzone sind Örtlichkeiten wie Gemeinschaftsflächen, Lernnischen und informelle Treffpunkte angeordnet. Die räumliche, in hellen Farbtönen gestaltete Atmosphäre, durch wenige, aber wertige und robuste Materialien erzeugt, entspricht der Nutzung als halböffentlicher Raum. Die Schulräume sind zurückhaltend mit Sichtbeton, Holzdecken und weissen Wänden als Orte der Konzentration gestaltet.

Die vier oberen Regelgeschosse sind axialsymmetrisch um den Lichthof aufgebaut. 14 Zimmer pro Geschoss können in kleinere Einheiten unterteilt oder zu grösseren Einheiten zusammengelegt werden. Die Gruppenräume können offen zum Atrium, als Nischen am Ende des Gebäudes oder geschlossen wie ein Klassenzimmer gestaltet werden. Sämtliche Innenwände sind nichttragend und können jederzeit ein- oder ausgebaut werden.

Der Aussenraum ist funktional, robust und subtil gestaltet. Nördlich und östlich wird das Gebäude von einer Blumenwiese gesäumt, die durch die systematische Verwendung einheimischer Pflanzen die Biodiversität und nachhaltige Entwicklung des Ortes unterstützt und fördert. Durch die gezielte Anordnung der Blumenwiese entlang der von den Hauptzugängen abgewandten Gebäudeseiten entsteht ein Rückzugs- und Entspannungsraum. Ergänzend dazu umschliesst eine Baumspange das Schulgebäude im hinteren Bereich.

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Adresse
Tösstalstrasse 29/31, 8400 Winterthur, Schweiz
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Aufgabe Neubau der bestehenden Schulanlage der Berufsfachschule Winterthur mit 40 Unterrichtszimmern und Dreifachturnhalle
Auftragsart Wettbewerb, offenes Verfahren
Bearbeitungszeit 2019
Herausforderung Einordnung im best. Campusareal der Berufsfachschule an der Schnittstelle zur Kernstadt
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